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Hitzeregulierung und Schwitzen bei Pferden

Aktualisiert: 27. Sept 2019


Sportpferde müssen auf den Punkt Leistung zeigen - egal, was das Thermometer sagt. Silvia Ochsenreiter-Egli mit Heljar frà Stòra-Hofi. Foto: Uli Neddens


Gerade bei Robustpferden mit dicker Haut und dickem Fell kommt der Hitzeregulierung eine besondere Bedeutung zu. Unter Umständen ist sie sogar der limitierende Faktor, wenn es um besondere Ausdauerleistungen geht.


Muskelarbeit erzeugt als Nebenprodukt Wärme, die den Körper erwärmt und wieder abgeleitet wird. Um eine Überhitzung und damit Kreislaufprobleme bis zum Kollaps zu vermeiden, stehen dem Organismus verschiedene Mechanismen der Thermoregulierung zur Verfügung.



a) Schwitzen


Als Reaktion auf die Erhitzung seines Körpers fängt das Pferd zu schwitzen an. Wenn das Wasser im Schweiß verdunstet, entsteht die sogenannte Verdunstungskälte, die wiederum der Kühlung des Organismus dient. Rund 60% der Kühlleistung findet auf diesem Weg statt. Die Effektivität dieses Mechanismus hängt vor allem vom herrschenden Wetter ab. Bei heißem (aber auch kaltem), trockenem Wetter funktioniert er am besten, bei feuchtem am schlechtesten. Hier ist die Luft schon feuchtigkeitsgesättigt und kann kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen. So kann es passieren, dass ein Pferd bei heißem aber trockenem Wetter weniger erhitzt ist als bei kühlem aber feuchtem. Schwitzen ist gesund und kann durchaus ein Zeichen von guter Fitness sein. Mit fortschreitendem Training werden nämlich auch mehr Schweißdrüsen ausgebildet für höhere Kapazitäten in der Thermoregulierung.


b) Atmung


Beim Ausatmen wird nicht nur Kohlendioxid ausgeschieden sondern auch Wärme. Die erhitzte Atemluft wird ausgeschieden und durch kühle frische Luft beim Einatmen ausgetauscht, die den Körper wiederum kühlt. Dieser Mechanismus deckt rund 33% der Kühlleistung ab. Ein Bedarf an Kühlung zeigt sich durch eine beschleunigte Atmung.

Diese hohe Atemfrequenz ist Islandpferdereitern und Hundebesitzern bekannt als das Hecheln, gerne auch „Pumpen“ genannt. Die wenigsten Pferderassen haben diese Fähigkeit, und entsprechend ist sie auch unter Tierärzten vielfach unbekannt. Hecheln ist nicht zu verwechseln mit Außer-Atem-Sein. Es ist zunächst kein Zeichen von Erschöpfung, sondern dient der Unterstützung des Kühlsystems, gerade wenn es aufgrund von Haut- und Felldicke zusätzliche Kapazitäten braucht. Ein hochfrequentes Hecheln bedeutet nicht zwangsläufig eine schnelle Atmung und vor allem nicht einen beschleunigten Puls. Das lässt sich mit einem Stethoskop messen, wobei man genau hinhören muß: Das Hecheln gibt ein schlagendes Geräusch, das den Herzschlag leicht übertönt.


c) Wärmestrahlung


Radiation ist die Abgabe von Körperwärme über die Oberfläche. Hier spielt die Differenz zur Außentemperatur ein Rolle. Niedrige Grade und flotter „Fahrtwind“ sind hilfreich. Dichtes Fell, dicke Haut und eine Fettschicht behindern die Abgabe. Aus diesem Grund hilft eine Schur vor allem an Brust und Hals.



Auch Islandpferde kommen mit heißen Temperaturen gut zurecht

d) Wärmekonvektion


Erwärmtes Blut wird über die Venen in die Kapillaren an der Oberfläche geführt, dort abgekühlt und wieder ins Innere zurückgeführt. Auch diese Form der Kühlung funktioniert besonders gut bei Rassen mit dünner Haut. Man kennt die Bilder z.B. von Vollblütern im Sport, deren Haut sichtbar von Blutgefäßen durchzogen ist. Bei Isländern wiederum gibt es diesen Anblick nicht, weshalb ihnen diese Form der Kühlung in geringerem Maße zu Verfügung steht.


e) Wärmeleitung


Bei diesem System der Hitzeregulierung sorgt der Kontakt der warmen Körperoberfläche mit kalter Materie für Abkühlung. Die gängigsten Methoden sind Eisbandagen und das Abwaschen mit kaltem Wasser.Anzeichen der Überhitzung sind Erschöpfung, gleichbleibend hoher Puls und Temperatur über 40 Grad.


Man kann mit Training die Kapazität der Thermoregulierung verbessern:


  • Abbau von Fett als Isolierschicht

  • Ausbau des Herz-Kreislauf-Systems, dadurch effektiverer Abtransport von Wärme über die Blutgefäße. Ausbau des aeroben Systems, Energiegewinnung durch Fettverbrennung produziert weniger Wärme,Aufbau von Muskeln, effizientere Energienutzung und weniger Abwärme

  • Reiten in konstantem Tempo fördert tiefes, regelmäßiges Ein- und Ausatmen und damit den Wärmeaustausch


Ausdauertraining fördert die Bildung zusätzlicher Schweißdrüsen für die Verdunstungskühlung

Als Reiter kann man seinem Pferd helfen sich abzukühlen, indem man es führt, weil in der Bewegung sämtliche Prozesse des Wärmeabtransports besser funktionieren.


In Ruhe kommt es zu dem sogenannten Nachschwitzen: der Wärmeabtransport aus dem Inneren verlangsamt sich, und dem Pferd wird es wieder heißer. Kompensiert wird das Ganze durch vermehrtes Schwitzen. Eine äußerst effektive Unterstützung ist das Kühlen durch Abspritzen oder kalte Wassergüsse. Wichtig ist, dass man das im Kontakt mit dem Pferd erhitzte Wasser immer wieder entfernt.


Eine Ausdauerleistung ist demnach eng verbunden mit den Möglichkeiten der Hitzeregulierung. Islandpferde können z.B. im Distanzsport zwar prinzipiell die gleichen Strecken gehen wie arabische Pferde, aber in deutlich langsamerem Tempo. Das liegt nicht daran, dass sie nicht so schnell flitzen können, sondern dass sie sich nicht so schnell abkühlen können.


Prinzipiell gilt aber auch, dass Training das beste Mittel ist gegen Erhitzung. Das Pferd aus Sorge, dass es schwitzt, stehen zu lassen, ist kontraproduktiv. Ein gut trainiertes Pferd fängt in der Regel später mit Schwitzen an. Wenn es dann schwitzt, ist das nur das Zeichen für eine gesunde, gut funktionierende Wärmeregulierung. Im Gegensatz zum schwach trainierten, "geschonten" Pferd regeneriert es zudem deutlich schneller. Das Pferd wieder trocken zu bekommen, ist im Winter die lästige Aufgabe des Reiters. Da helfen gute Abschwitzdecken, Frotteetücher zum Abrubbeln und ein bisschen mehr eingeplante Zeit für die Versorgung des Pferdes.


Veronika Conen

Quellen: Nancy Loving, Go the Distance


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