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  • Karolina Kardel

Nachhaltigkeit: Was steckt dahinter und kann eine Abschwitzdecke wirklich nachhaltig sein?



Lange schon wollten wir einen Blogartikel zum Thema Nachhaltigkeit im Pferdesport schreiben. Aber irgendwie hat es sich nie so richtig rund angefühlt – immerhin bestehen unsere Abschwitzdecken unter anderem aus Polyester-Fleece, einem nicht wirklich umweltfreundlichen Material. Gerade deshalb treibt uns das Thema immer wieder um. Also geht es heute um das Thema Nachhaltigkeit und die Frage, inwiefern Sportsfreund Studios ein nachhaltiges Unternehmen ist.


Der Text entstand aus einem Gespräch unserer Autorin Karolina Kardel mit Sportsfreund-Inhaberin Veronika Conen.


Karolina: „Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes Telefonat. Damals wolltest du wissen, ob wir auf einer Wellenlänge sind und ich von meiner Einstellung her zum #teamsportsfreund passe. Sehr schnell sind wir dabei auf Themen wie Nachhaltigkeit und die Wertschätzung gegenüber der Natur, dem Leben und damit auch den Produkten gekommen. Das Telefonat war Ende 2018 – seitdem treibt uns das Thema um, so richtig greifbar ist es aber nicht. Auf der Webseite kommt der Begriff Nachhaltigkeit gar nicht vor. Es heißt lediglich, dass das Produkt zu einem nachhaltigen Produkt werden soll. Gleichzeitig macht Sportsfreund Studios auf Außenstehende wie mich immer einen nachhaltigen Eindruck. Deswegen frag ich dich einfach mal direkt heraus: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich und was ist bei Sportsfreund Studios nachhaltig?“


Ist Sportsfreund nachhaltig?


Auf diese Fragen hin muss Veronika ein wenig lachen und gesteht ganz offen: „Als ich mit Sportsfreund Studios begonnen habe, habe ich mir keine großen Gedanken um das Thema Nachhaltigkeit gemacht. Wir werden aber von vielen unserer Kundinnen als nachhaltiges Unternehmen wahrgenommen. Der Begriff wurde eher von außen an uns herangetragen, als dass wir ihn gezielt für uns nutzen. Ich frage mich selber immer wieder, inwieweit Sportsfreund Studios ein nachhaltiges Unternehmen ist? Was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt? Und kann ein Unternehmen, das vom Verkauf seiner Produkte und damit vom Konsum der Pferdebesitzerinnen lebt, grundsätzlich nachhaltig sein? Oder ist Nachhaltigkeit vielmehr ein Marketinglabel, das der Beruhigung des Gewissens dient?“


Bio, vegan, made in Germany: Was bedeutet Nachhaltigkeit?


Vorbereitend auf unser Gespräch hat sich Veronika noch einmal mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und ist dabei auf der Seite avocadostore.de auf eine schöne Zusammenfassung gestoßen. Dort werden folgende Aspekte der Nachhaltigkeit zugeordnet:

  • Rohstoffe aus Bioanbau

  • Haltbar

  • Made in Germany

  • Ressourcenschonend

  • Cradle to Cradle

  • Fair & Sozial

  • Recycelt & Recyclebar

  • CO2-sparend

  • Schadstoffreduzierte Herstellung

  • Vegan

(Quelle: Avocadostore.de)





Darüber hinaus werden allgemein drei Säulen definiert:

  • Ökologische Nachhaltigkeit

  • Ökonomische Nachhaltigkeit

  • Soziale Nachhaltigkeit

Die oben genannten Punkte lassen sich in erster Linie dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit zuordnen. Bei der ökonomischen Nachhaltigkeit geht es um Wirtschaftlichkeit, Werterhalt und Wertsteigerung. Zur sozialen Nachhaltigkeit zählt vor allem ein fairer Umgang mit den Menschen, die am Unternehmen bzw. der Herstellung und Produktion der Produkte beteiligt sind.


An diesen Punkten haben wir uns in unserem Gespräch orientiert. (Hinweis: Auch wenn im Folgenden einige Punkte kritisch hinterfragt werden, hat dies nichts mit der zitierten Webseite zu tun!)


Kann eine Abschwitzdecke aus Fleece nachhaltig sein?



Daß Sportsfreund Studios als nachhaltiges Unternehmen gesehen wird, freut Inhaberin Veronika. Immerhin sind ihr die damit verbundenen und assoziierten Aspekte wichtig. Gleichzeitig staunt sie auch immer ein wenig. Denn: Eine Pferdedecke aus Polyesterfleece ist in Bezug auf die Umwelt und damit auf die Nachhaltigkeit eher problematisch.


Der Begriff selbst erscheint Veronika zunehmend überstrapaziert. Ihrer Meinung nach verbirgt sich dahinter gerne mehr Schein als Sein, wodurch der Begriff Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile sichern soll und zum gewissensberuhigenden aber letztlich inhaltsleeren Marketing-Label verkommt. So beschädigt sog. Green Washing in ihren Augen die Glaubwürdigkeit der aufrichtig „grünen“ Produkte.


Und auch die oben genannten Aspekte Bio, Made in Germany, schadstoffreduziert und CO2-sparend sieht sie durchaus kritisch – nicht wegen der Sache an sich. „Bio allein ist nicht automatisch nachhaltig. Nachhaltigkeit bedeutet unter anderem, dass ich der Natur nur so viele Rohstoffe entnehme, wie nachwachsen können. Doch inwieweit das Material, das ich verwende, durchgängig auf schadstoffreduziertem, CO2-sparendem und ressourcenschonendem Weg hergestellt ist, kann ich selten zu 100% sagen, da fehlt es an Transparenz.


"Gleiches gilt für die soziale Nachhaltigkeit und den fairen Umgang mit Menschen, die in welcher Form auch immer an unseren Produkten mitgewirkt haben. Hier ist wiederum die Lieferkette der Dreh- und Angelpunkt. Der Fleecestoff für unsere Abschwitzdecken beispielsweise kommt aus dem Ausland, das Garn kommt aus Europa und der Rest stammt aus Deutschland. Wobei die wenigsten Produkte von vorn bis hinten in einem Land gefertigt werden, und sich die Spur der einzelnen Bestandteile irgendwann verliert. Die Decken selbst lasse ich in Deutschland nähen. Hier kann ich mich immerhin darauf verlassen, dass die Näherinnen anständige Arbeitsbedingungen haben und sozialversichert sind. Ich kenne sie sogar persönlich.“


Auch das Label Made in Germany ist in ihren Augen vielfach ein bloßes Marketinginstrument. Denn ein Produkt darf sich schon dann so nennen, wenn nur die Endmontage in Deutschland erfolgte. Dass ein Großteil des Produktes aber im Ausland gefertigt wurde, ist hierbei nicht relevant.


„Natürlich könnte ich auch sagen, ich kaufe ab heute nur noch total nachhaltiges Material ein, bei dem ich die Herstellung von A bis Z nachvollziehen kann. Als kleineres Unternehmen scheitere ich aber häufig schon an Mindestabnahmemengen. Und die Bezahlbarkeit muss ich ja auch noch im Auge behalten. Eine vollumfängliche Nachhaltigkeit spiegelt sich schließlich im Preis des Endproduktes wider, den niemand so gerne zahlen möchte. Wobei ein höherer Preis tendenziell einen pfleglicheren Umgang garantiert. Hier gilt es also Zugeständnisse zu machen. In mancher Hinsicht agiert ein kleines Unternehmen aber auch nachhaltiger, weil es flexibler ist und von Haus aus regionaler bleibt. Zum Beispiel weil sich eine Fertigung im Ausland noch nicht auszahlt.“


Immerhin: Fleece ist in vielen Fällen ein Recyclingprodukt aus PET-Flaschen. Und die bei der Produktion anfallenden Stoffreste werden zum einen für die Reparatur beschädigter Decken genutzt - Kundinnen können kostenlos Reparaturflecken anfordern. Und zum anderen werden sie gespendet: Ein Teil geht an eine Tierschutzorganisation, die diesen Stoff als hygienische Unterlage für Katzen- und Mehrschweinchenklos nutzt und zur Reinigung wäscht. Ein anderer Teil geht an das Projekt Zeltschule, das Schulen in den syrischen Flüchtlingslagern im Libanon baut. Der Stoff wird in Nähworkshops für Frauen benötigt.


Außerdem vermeidet Sportsfreund Überproduktion und vernichtet prinzipiell keine Retouren.


„Ich sehe bei uns das Thema Nachhaltigkeit als einen laufenden Prozeß, in dem wir uns anstrengen, immer nachhaltiger zu werden. Das ist irgendwie ehrlicher. Auf einmal geht das nicht, aber in so mancher Hinsicht sind wir schon ziemlich gut.“


Alle wollen Wolle



Mittlerweile ist Sportsfreund der Islandpferdeshop mit der breitesten Auswahl an Wollprodukten fürs Pferd. Es gibt Abschwitzdecken in zweierlei Qualitäten sowie Satteldecken und -pads aus dem umweltfreundlichen Material.


„Unser wirklich nachhaltiges Produkt ist die Abschwitzdecke BAVARIA aus bayerischem Gebirgsloden. Hier kommt die Wolle von artgerecht gehaltenen Schafen des bayerischen und österreichischen Alpenraums, der traditionsreiche Stoff wird nach strengen Standards in Bayern gewebt, und genäht wird die Decke ebenfalls in Bayern. Somit ist das Produkt zu 90 % regional. Die Herkunft der weiteren Bestandteile wie Gurt- und Klettband ist ebenfalls geklärt: Sie stammen aus europäischer Kreislaufwirtschaft. Toll sind übrigens auch unsere Woll-Satteldecken, sie haben keine Polyesterfüllung sondern eine natürliche Wattierung aus bayerischem Vlies von glücklichen Schafen.“



Für die, die es noch nicht wissen: Sportsfreund sitzt in München.


Nachhaltigkeit: Wie gehe ich als Konsument mit dem Produkt um?


„Für mich persönlich bedeutet nachhaltig aber nicht nur, dass ich ein versprochenermaßen nachhaltiges Produkt konsumiere. Es geht auch darum, wie ich als Konsument mit dem Produkt umgehe. Wie ich es behandle und pflege und wie ich somit zur Haltbarkeit dieses Produktes beitrage. Sorge ich selbst dafür, dass es lange hält oder ist es mir wurscht, weil ich mir in einem Monat sowieso wieder ein neues Teil kaufen möchte?“


Der Aspekt der Langlebigkeit spielt für Veronika eine wichtige Rolle. „Unsere Produkte sind sorgfältig verarbeitet und bei entsprechender Handhabung und Pflege lange haltbar. Deswegen legen wir jeder Bestellung ausführlich beschriebene „Umgangsformen“ bei. Siehe auch unser Blogbeitrag zm Thema Pflege. Jeder unserer Käufer hat die Möglichkeit, seinen Teil zur Langlebigkeit unserer Produkte und damit ihrer Nachhaltigkeit beizutragen. Mal deutlich gesagt: Eine Abschwitzdecke ist zum Kuckuck nochmal nicht für den Paddock gemacht und schon gar nicht fürs Wälzen! Das tut mir persönlich weh. Auch wenn sie leicht zu waschen und zu reparieren ist. Nach ihrem endgültigen Ableben kann eine Fleecedecke dann über den Wertstoffcontainer wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eine Wolldecke ist sogar kompostierbar, vorausgesetzt man macht sich die Mühe, die PP-Zutaten abzuschneiden und getrennt zu entsorgen.“


Verantwortungsvoller Umgang vom Produzenten bis zum Konsumenten. Foto: @lavalan


Nachhaltigkeit betrifft uns alle!


Ob man das Wort nachhaltig nimmt oder eine andere Formulierung suchen möchte: Die Wertschätzung gegenüber anderen Menschen, Tieren und der Umwelt spielt für uns vom #teamsportsfreund eine wichtige Rolle.


„Ein Merkmal der Nachhaltigkeit ist das ressourcenschonende Wirtschaften. Damit meinen wir auch unsere ganz persönlichen, menschlichen Ressourcen. So wie Fremdausbeutung verwerflich ist, ist auch Selbstausbeutung nicht in Ordnung. Das Ergebnis ist immer eine Dumpingspirale der Tiefstpreise und erschöpfte, traurige Menschen. Wie heißt es treffend: Immer wenn ein Produkt billig ist, hat schon wer anders vor uns bezahlt. Worüber ich mich echt ärgere, ist, wenn höhere Preise einfach so als unverschämt bezeichnet werden. Gerade kleine Handwerks- und Designbetriebe bieten ihre Ware oft viel zu günstig an, aus Angst, dass die Leute sauer sind und niemand kauft. Dabei steckt so viel Arbeit und Passion drin und sie könnten ohne weiteres das Doppelte verlangen, ohne unverschämt zu sein. Reich wird von denen keiner, das geht viel leichter mit den sogenannten "fairen" Preisen."


„Der Begriff „made with love“ ist zwar mittlerweile auch schon gnadenlos abgenudelt, aber irgendwas ist schon dran. Bei uns wird es jedenfalls nie billige Schnellware geben, wir wollen genauso viel Freude beim Herstellen und Verkaufen unserer Decken haben wie unsere Kundinnen beim Benützen. Nachhaltigkeit betrifft uns alle und entsteht aus einem gelungenen Zusammenspiel von Hersteller und Konsument.“


Checkliste zur Nachhaltigkeit und worauf wir achten können


Zur Orientierung für haben wir mal eine Checkliste mit nachvollziehbaren Kritieren sowohl für uns als auch für euch gemacht: