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  • Karolina Kardel

Pferde schmücken: Wirklich nur neumodischer Luxus?

Aktualisiert: Jan 29



Swarovski-Steine auf der Abschwitzdecke, Bernstein auf der Trense und das gesamte Equipment Ton in Ton: Während es dem einen Spaß macht, sein Pferd herauszuschmücken, empfindet der andere das als überflüssiges Verhätscheln eines Lebewesens. Dabei ist das Herausschmücken von Pferden eine Jahrhunderte- wenn nicht sogar Jahrtausende alte Tradition.


Unsere Full Swarovski-Decke ist eines unserer absoluten Lieblingsprodukte und alljährliches Design-Highlight.


Geschichte

Die Domestikation unseres Hauspferdes begann zwischen 5000 und 3000 v. Chr. an verschiedenen Orten der Welt. Das Pferd brachte den Menschen damals einen erheblichen Vorteil: Pferde ermöglichten es dem Menschen, lange Strecken in kürzerer Zeit zu überwinden. So konnten unter anderem größere Reiche aufrechterhalten und im Kriegsfall verteidigt werden, es waren neue Kriegs- und Angriffstechniken möglich. Darüber hinaus lieferte das Pferd den Menschen Fleisch.



Heroisierung des Pferdes in der Antike


Kein Wunder also, dass sich die Haltung von Pferden immer mehr verbreite, das Pferd als kostbares Gut betrachtet wurde und eine Heroisierung des Pferdes entstand, die im Grunde bis heute vorherrscht. In den Heldendiskursen der damaligen Zeit spielte es eine wichtige Rolle – denkt nur an Pegasos, das geflügelte Pferd, oder die Zentauren, die Mischwesen aus Pferd und Mensch. Schon damals stand das Pferd für Macht und Herrschaft, Reichtum und Geld. Vor allem das Pferd Bukephalos von Alexander dem Großen beeinflusste die Heroisierung des Pferdes enorm. Und wie frühe Darstellungen aus vorchristlicher Zeit zeigen, wurden Pferde schon während der Antike von und für ihre Helden herausgeschmückt.



Für die Germanen besaß das Pferd sogar eine so hohe Bedeutung, dass sie es als Orakel einsetzten, wie bei Tacitus, Germania, geschrieben steht:


„[Es ist] eine germanische Besonderheit, auch auf Vorzeichen und Hinweise von Pferden zu achten. Auf Kosten der Allgemeinheit hält man in den erwähnten Hainen und Lichtungen Schimmel, die durch keinerlei Dienst für Sterbliche entweiht sind. Man spannt sie vor den heiligen Wagen; der Priester und der König oder das Oberhaupt des Stammes gehen neben ihnen und beobachten ihr Wiehern und Schnauben. Und keinem Zeichen schenkt man mehr Glauben, nicht etwa nur beim Volke: auch bei den Vornehmen, bei den Priestern; sich selbst halten sie nämlich nur für Diener der Götter, die Pferde hingegen für deren Vertraute."


(Tacitus, Germania, Ausgabe Staedle 2001, S. 16-19. Zitiert aus: Christa Agnes Tuczay: Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei, S. 195)


Dieses Zitat des römischen Geschichtsschreibers Tacitus (ca. 58-120 n. Chr.) zeigt nicht nur die Bedeutung des Pferdes an sich. Es zeigt auch, dass bereits vor 2000 Jahren die Pferde ausgeschmückt und verziert wurden. Schließlich zieht es die Wagen der Priester, Könige und Stammesoberhäupter.


Mittelalter: das Pferd als Helden- und Statussymbol



Auch im Mittelalter bleibt das Pferd ein Helden- und Statussymbol. Es wird zunehmend für die Landwirtschaft eingesetzt, die es dadurch revolutioniert. Als Reittier diente es in erster Linie dem Adel. Aus den berittenen Kriegern entstand die Schicht der Ritterschaft und auch die klassische höfische Reitkunst, die auch heute noch eine wesentliche Rolle in unserer Form des Reitens spielt, stammt aus dieser Zeit.









Ein Pferd konnte sich nicht jeder leisten. Nicht nur, dass es in der Anschaffung und Haltung Geld kostete, es musste auch mit einem Schutzpanzer ausgestattet werden. Die damalige Bedeutung des Pferdes als Statussymbol zeigt sich besonders deutlich in der Ikonographie: Das königlich-kaiserliche Reiterbild entstand und auch in Emblemen, Siegeln und ähnlichem wurde das Pferd als Symbol integriert. Und auch die Heraldik, die Wappenkunde, belegt die Bedeutung des Pferdes: Viele Wappen zeigen Szenen aus Ritterturnieren, die damals nicht nur der Waffenübung, sondern auch der Schaustellung dienten. Selbstverständlich wurden die Pferde dafür herausgeschmückt.




Neuzeit und Moderne: Pferde als Prestigeobjekte


Auch in der Neuzeit behielt das Pferd seinen hohen Status.


Mit der Entdeckung und Besiedelung Amerikas kam das Pferd unter anderem zu den Indianern, die es von den spanischen Konquistadoren übernommen hatten. Bei ihnen wurde es zu einem geschätzten Statussymbol: Die Anzahl der Pferde zeigte den Reichtum eines Mannes an. Nur wer klug, ehrgeizig und tapfer war, konnte sich mehrere Pferde leisten.


In Europa wurde die Zucht immer wichtiger. Die ehemaligen großen und schweren Pferdetypen der Ritter wurden zunehmend veredelt und die heutigen Barockpferde entstanden. Vor allem spanische Pferderassen erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. 1562 wurden diese Pferde von Kaiser Maximilian II nach Österreich geholt und aus ihnen entstanden die Lipizzaner und die Tradition der Spanischen Hofreitschule in Wien begann.



In England dagegen war das englische Vollblut, eine Kombination aus orientalischen Hengsten und englischen Rennpferden begehrt. Sie wurden und werden vor allem bei Galopprennen eingesetzt.


Mit dem Aufkommen der zunehmenden Technisierung und Motorisierung, die seit dem zweiten Weltkrieg maßgeblich voranschritt, verlor das Pferd zunehmend an Bedeutung als Arbeits- und Zugtier und im Einsatz des Militärs. Stattdessen wurde es mehr und mehr zu einem Prestigeobjekt, das dem Sport- und Freizeitvergnügen dient.


Dieser kurze und unvollständige Abriss der Geschichte des Pferdes soll euch zeigen, dass das Herausschmücken von Pferden keine neumodische Erfindung ist. Schon immer stellte das Pferd ein wertvolles Statussymbol dar und wurde entsprechend gekleidet.


Einhörner: besondere Krafttiere mit langer Tradition


Ein ganz besonderes Pferd möchten wir an dieser Stelle noch einmal besonders hervorheben: das Einhorn! Denn auch wenn es mit seinen bunten Farben neumodisch anmutet, hat es eine fast so lange Tradition wie das Pferd selbst.


Schon um 500 v. Chr. wurde von Ktesias von Knidos in „Indika“ von Einhörnern in Indien berichtet, deren Horn eine antitoxische Wirkung haben solle. Auch bei Aristoteles und Claudius Aelianus wird das Einhorn erwähnt.


Der eigentlich Ursprung der Einhorn-Tradition steckt aber wohl in der Bibel. Im Alten Testament wurde an mehreren Stellen von einem „Re'em“ berichtet und als der Text etwa im 3. Jhd. v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde, wusste niemand, welches Tier gemeint ist. Man entschied sich, es Monokeros – Einhorn – zu nennen. Heute wird vermutet, dass ein Auerochse gemeint war und dass sich die Übersetzer an einer Wandmalerei orientierten, auf der ein Auerochse zu sehen war, der aussah, als hätte er nur ein Horn.


Der Glaube an das Einhorn festigte sich und vor allem im Mittelalter nahm es zunehmend Gestalt an. Es wurde zum Symbol für Güte und Edelmut aber auch für Reinheit, Unschuld und Freiheit – schließlich lässt es sich nur von einer Jungfrau fangen.





Doch es wurde nicht als Fabelwesen gesehen, sondern als real existierend betrachtet. Ihm wurden Heilkräfte nachgesagt und man vermutete, dass sich unter dem Horn ein roter Karfunkelstein befinde, der heilsame Kräfte habe und die Wundheilung fördere. Auch das Herz des Einhorns solle bei Krankheiten wirken. In ihrem Buch Physica schreibt Hildegard von Bingen:


"Zerkleinere die Leber eines Einhorns und gib dieses Pulver in Fett beziehungsweise Schmalz, das aus Eidotter bereitet ist, und mach so eine Salbe. Und es gibt keinen Aussatz, welcher Art auch immer er sei, der nicht geheilt würde, wenn du ihn mit dieser Salbe einreibst, es sei denn, der Aussatz ist der Tod jenes Erkrankten oder Gott will ihn nicht heilen. […] Mach aus der Haut des Einhorns einen Gürtel und gürte dich damit auf deiner Haut, und in dieser Zeit wird dich kein schlimmes Übel oder Fieber schädigen. Mach auch Schuhe aus seinem Fell und zieh sie an, und du wirst in dieser Zeit immer gesunde Füße und gesunde Beine und gesunde Nieren haben, und kein Übel wird dich unterdessen verletzen, denn dieses Fell ist von großer Wirkkraft und Gesundheit durchdrungen."


Quelle: http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php/blog/188-das-einhorn-bei-hildegard-von-bingen


Heilen konnte das Einhorn schon damals nicht – zumindest nicht so, wie es Hildegard von Bingen beschreibt. Doch wir alle wissen, wie wichtig positive Gedanken in Bezug auf Heilung und Wohlbefinden sind und hier punktet das Einhorn bis heute. Kein Wunder also, dass wir das Fabelwesen bis heute in vielen Filmen und Büchern wiederfinden und es nach wie vor als Krafttier gilt. Die heutige Bedeutung geht in die Richtung, sich selbst treu zu bleiben, seinen eigenen Weg zu gehen und sich selbst zu entfalten. Und genau aus dem Grund lieben wir das Einhorn und lieben vor allem unsere Einhorn Abschwitzdecke.




Heute: Pferdefreund und Herzenspferd


Ihr seht also, Pferde haben für Menschen immer schon eine wichtige Rolle gespielt. Und immer schon wurden sie zu verschiedenen Anlässen herausgeschmückt. Somit ist es auch nichts Ungewöhnliches, wenn wir unsere Pferde als Herzenspferd bezeichnen und uns daran erfreuen, wenn wir es mit besonders schönen Dingen ausstatten.



Und unter uns Islandpferdefans: Wisst ihr, was der Name eures Pferdes bedeutet? Auch die Namen sind häufig ein Schmuckwerk, wenn wir sie in ihrer Verbildlichung betrachten:

  • Skinfaxi, Leuchtmähne, ist das Pferd des Gottes Dag (Tag), Skinfaxi zieht den Sonnenwagen über das Firmament

  • Alsvidr und Arvakr ziehen den Wagen der Sonnengöttin Sol über den Himmel ziehen

  • Hrimfaxi zieht die Nacht über den Himmel

  • Skinfaxi zieht den Tag über den Himmel

  • Baldur ist der Gott des Lichts

Lasst euch nicht verunsichern, wenn jemand anderes spöttisch vom überflüssigen Bling-Bling und dem kitschigen Einhorn spricht. Ihr wisst jetzt, dass ihr es genau so macht, wie es Menschen seit Jahrtausenden gemacht haben. Ihr macht euer Pferd zu dem, was es ist: zu eurem ganz persönlichen kostbaren Held!



Quellen:

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/indianer-das-volk-der-pferde

https://books.google.de/books?id=WIs-O1a8oEgC&pg=PA195&lpg=PA195&dq=%E2%80%9EUnd+der+verbreitete+Brauch,+Stimme+und+Flug+von+V%C3%B6geln+zu+befragen,+ist+auch+hier+bekannt;+hingegen+ist+es+eine+germanische+Besonderheit,+auch+auf+Vorzeichen+und+Hinweise+von+Pferden+zu+achten.+Auf+Kosten+der+Allgemeinheit+h%C3%A4lt+man+in+den+erw%C3%A4hnten+Hainen+und+Lichtungen+Schimmel,+die+durch+keinerlei+Dienst+f%C3%BCr+Sterbliche+entweiht+sind.+Man+spannt+sie+vor+den+heiligen+Wagen;+der+Priester+und+der+K%C3%B6nig+oder+das+Oberhaupt+des+Stammes+gehen+neben+ihnen+und+beobachten+ihr+Wiehern+und+Schnauben.+Und+keinem+Zeichen+schenkt+man+mehr+Glauben,+nicht+etwa+nur+beim+Volke:+auch+bei+den+Vornehmen,+bei+den+Priestern;+sich+selbst+halten+sie+n%C3%A4mlich+nur+f%C3%BCr+Diener+der+G%C3%B6tter,+die+Pferde+hingegen+f%C3%BCr+deren+Vertraute.%22&source=bl&ots=I6F0l4ensb&sig=ACfU3U3oveloXmoDBzRe8ph8dDjL6Tbmkg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwj7lbzUwaftAhVH1BoKHbB-CKoQ6AEwBnoECAcQAg#v=onepage&q&f=false

https://www.compendium-heroicum.de/lemma/pferd/

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pferd-und-mensch-das-ende-des-kentaurischen-pakts-11732601.html